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Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Diese Seite hat nur noch eine Archivfunktion zur Nachvollziehbarkeit des Dialogprozesses. Die Umsetzung der Empfehlungen durch Exxon ist auf der Seite erdgassuche-in-deutschland.de im Bereich "Dialog" dokumentiert. Den ersten Statusbericht finden Sie hier.

Was waren Ihre Fragen und Beiträge?

Hier konnten Sie Fragen stellen und Beiträge verfassen, die Sie im Zusammenhang mit der von ExxonMobil geplanten Aufsuchung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten interessieren und für wichtig hielten.


Zur Präsentation von Dr. Uth: Störfall-Szenarien in Berlin 6./7. 3. 2012:

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Zur Präsentation von Dr. Uth:
http://dialog-erdgasundfrac.de/störfall-szenarien-risikomanagement-und-stand-der-technik

Unter Szenarien 7. (Blatt 19) wird nicht betrachtet, dass Lagerstättenwasser ( mit Anteil Frack-Fluid) aus aus undichter (korrodierter) Borhloch-Verrohrung während der gesamten Förderphase unbemerkt austreten kann. Unter 7.3 wird lediglich kont. Austritt von Erdgas betrachtet.
Außerdem: Was heißt: „Korrosionsleckagen sind häufig, Rohrbrüche eher selten.“? Welche Folgerungen/ welche konkrete Wahrscheinlichkeit wird daraus abgeleitet?

Szenarien 8. (Blatt 21): Die unbemerkte kontinuierliche Freisetzung von Schadstoffen aus Feldleitungen durch Diffusion oder Korrosion wird nicht betrachtet, obwohl es dafür mehrere konkrete Beispiele gibt.
Auf welche Gesamt-Streckenlänge beziehen sich die Ereignis-Wahrscheinlichkeiten in Folie 22?

In der Tabelle Blatt23 werden die Wahrscheinlichkeiten der Ereignisse nicht angegeben. Ohne diese ist aber eine Bewertung der Risiken nicht möglich!
Unter 7. sollten ebenfalls die Sickerleckagen Erdgas und Fluid (s.o.) während der gesamten Förderphase aufgeführt sein!

Szenario 6.3 (Blow out) ist in seinen Auswirkungen (tödlich in 1,3km Umkreis) so gewaltig, dass darauf in der Zusammenfassung eingegangen werden sollte (auch unter Bewertung der Angabe für die Wahrscheinlichkeit mit 1:1000 , die von Exxon stammt, also aus keiner neutralen Quelle).
Welche Schlüsse werden daraus gezogen? Wie sind die Risiken aus den aufgeführten Szenarien und den o.a. Fällen konkret zu bewerten?

Zu Szenarien 7: Lagerstättenwasser&Frackfluid (= Backflow) werden aus dem Bohrloch nach dem Fracking abgepumpt. Dadurch entsteht ein Sog, der einen Austritt durch ein Leck gegen den Sog verhindert. Nach Beendigung des Abpumpvorgangs werden die Restanteile des Backflow mit dem Gasfluss ausgetragen. Die Leckage des Gasfluss wird im Unterszenarium 7.3 betrachtet.
Zu den Wahrscheinlichkeiten: Der Rohrabriß durch tektonische Vorgänge ist ein Ereignis, welches nur bei hinreichen starken Erdbeben in der Norddeutschen Bucht oder größeren Bergschäden zu erwarten ist. Nach Joswig ist für die Abschätzung des Sekundärrisikos einer undichten Bohrung durch abgescherte Verrohrung oder beschädigte Zementation ist bei Zugrundelegung der Stärke des ML 4.5 Rotenburg-Bebens (Intensität V bis VI) von ca. 4,6 km Bruchlänge und einem mittleren Versatz von 1,6 cm auszugehen; dieser müsste für maximale Wirkung verkippt gegen die Bohrachse unmittelbar durch die Bohrung laufen.
Die Wahrscheinlichkeit einer Korrosionsleckage ist eine Standardannahme und muß als hoch angesehen werden. Nach Untersuchungen der Fa. Schlumberger (zitiert nach Pressemeldungen) sind bis zu 50% aller Bohrungen mit z.T. signifikanten Lecks versehen. Weitere Details sind der Studie „Well Design and Well Integrity“ zu entnehmen. Daraus kann in erster Näherung ausgegangen werden, dass mit Sickerleckagen stets zu rechnen ist.
Zu Szenario 8: Die Freisetzung von z.B. BTEX durch Diffusion aus PE-Leitungen ist wegen der vergleichsweisen Geringfügigkeit nicht als mögliches Unfallszenarium betrachtet worden. Im Gutachten werden aber die Probleme der Eignung von Rohrleitungsmaterialen im Zusammenhang mit den zu transportierenden Medien behandelt.
Folie 22: In der Prognoserechnung wird davon ausgegangen, dass ab 2016 zwischen 200-450 km neue Feldleitungen für Erdgas & Backflow pro Jahr gebaut werden. (Details der Rechnung s. Gutachten)
In Tabelle auf Blatt 23 sind nur die jeweils größten Ereignisse der Oberszenarien aufgeführt. Das Gutachten enthält eine Tabelle (2 Seiten) mit allen Daten der Unterszenarien. Ebenso sind, soweit verfügbar, Angaben über die Eintrittswahrscheinlichkeiten enthalten.
Zu Szenario 6.3: Ein großer Blowout mit Sauergas ist das WC Szenario schlechthin. In Rechtsvorschriften (BVOT) und Richtlinien des LBEG werden umfangreiche Vorkehrungen zur Vorsorge & Begrenzung solcher Gefahren festgelegt. Die von der EMPG angenommene Wahrscheinlichkeit von höchstens 1 Ereignis pro 1000 Bohrungen ist ein Erfahrungswert, dabei werden keine Angaben zur Größe des Ereignisses gemacht. Bei Bohrungen im Shalegas Horizont wird auf Grund der geologischen Erfahrung aber nicht mit Sauergas gerechnet.
Die Einordnung & Bewertung aller WC Szenarien wird im Gutachten detailliert vorgenommen, das Gutachten wird vorr. im April 2012 veröffentlicht.

Sehr geehrter Herr Dr. Uth,
vielen Dank für Ihre Antwort.
Ihr Szenario 7.3 berücksichtigt m.Mg. aber nicht, dass mit der Förderung kontinuierlich auch Anteile des Backflow (Lagerstättenwasser + Frackfluidreste) auslecken können. Sie berücksichtigen nur 50cubm/h Erdgas. Der kontinuierliche Austritt von backflow sollte separat aufgeführt werden.
Dass dies auch in der Praxis vorkommt, dafür gibt es zahlreiche Belege, siehe dazu z.B. Interview mit Dr. Conrad Volz: http://checksandbalancesproject.org/2011/05/06/gas-patch-scientists-expl...

Sie äußerten sich auch selbst in dieser Richtung auf der Veranstaltung am 9.12.2011:
"Typisch für den Frackingprozess und mit negativen Erfahrungen aus den USA belegt sind Szenarien, die Leckagen des Bohrlochs unter Tage beschreiben. Die dann untertägig freigesetzten Mengen an Fracking-Fluid und Methan wären nicht rückholbar, und unter Umständen auch nicht klar zu beobachten."

Außerdem sollte auch der Fall betrachtet werden, dass es nach dem Frack zu keiner Förderung kommt, wie z.B. In Damme. Dann verbleiben wesentlich größere Mengen im Bohrloch, die durch Leckagen austreten können.