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Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Fachgespräch „Fracking – Wasserschutzgebiete – Tight Gas“

Am 8.12. besuchte der Neutrale Expertenkreis das Wasserwerk in Vechta. Gemeinsam mit den Wasserwerken / der Stadt Vechta und dem Ostfriesisch-Oldenburgischen Wasserverband OOWV besichtigten die Experten die direkt benachbarte Förderanlage von ExxonMobil (Goldenstedt) und diskutierte anschließend über den Themenkreis „Fracking – Wasserschutzgebiete – Tight Gas“.

Präsentationen & Dokumentation:

Kohlenwasserstofffelder + Bohrungen im VersorgungsgebietKohlenwasserstofffelder + Bohrungen im Versorgungsgebiet

Begrüssung und Zielsetzung des Termins

Zur Begrüssung stellt Herr Kleier die Situation in Vechta vor (siehe Präsentation, Teil I).
Er spricht insbesondere die folgenden Punkte an:

  • Die Lage der sechs Trinkwasserbrunnen des Wasserwerkes Vechta im Bezug zu der Gasförderung von ExxonMobil ist aus Sicht des Wasserwerkes der Stadt Vechta sehr ungünstig – sie ist historisch bedingt (die Gasförderung war z.T. vorher da).
  • Die Wasserversorger wünschen sich mindestens den Ausschluss von Fracking in Wasserschutz-/ bzw. Trinkwassergewinnungsgebieten; eine weitere Pufferzone um die Schutzgebietsgrenzen (z.B. 5 km) wird vom OOWV in die Diskussion der Experten eingebracht.
  • In Vechta besteht aufgrund der räumlichen Nähe neben der grundlegenden Problematik Fracking ( Tightgas in fast 5.000 m Teufe im Karbon) die besondere Situation im Betreiben des Bohrplatzes in unmittelbarer Nähe zu den Trinkwasserbrunnen, mit sämtlichen damit verbundenen Risiken, z.B. die Leerung des Lagerstättenwassertanks (30 m3) und der Transport des Wassers in eine Versenkbohrung etwa alle drei Tage.
  • Durch die Lage der Erdgasgewinnungsanlagen im Wasserschutzgebiet und teilweise in Zone 2 ist die Reaktionszeit der Trinkwasserversorger auf mögliche Störfälle und deren Auswirkungen auf die Trinkwassergewinnungsanlagen extrem kurz. Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bzw. zur Alternativversorgung sind entsprechend eingeschränkt.

Als Zielsetzung sieht die Gruppe, dass der Expertenkreis die besondere Situation inVechta und die dort gemachten Erfahrungen kennenlernt und wahrnimmt. Es soll weiterhin einen Austausch über Rahmenbedingungen in Wasserschutzgebieten und über mögliche Unfälle / Leckagen (Worst-Case Szenarien) sowie über Möglichkeitendes Monitorings geben. Und man will die Informationsbasis auf dem Weg zu einemeigenen Setting für Tight Gas abgleichen.

Besichtigung des Bohrplatzes

  • Vertreter von Exxon begrüssen die o.g. Teilnehmer auf den Bohrplätzen Z23/Z9.
  • Die Bohrung und der Bohrplatz Goldenstedt Z9 bestehen seit 1980. Auch wenn der Platz sukzessive ertüchtigt wird, entspricht er aus Sicht des Wasserversorgers noch nicht dem neuesten Stand – es ist eine Anpassung erforderlich (z.B. Leitungsverlegung im Westen des Platzes). Die Bohrung wurde in 2007/2008 ertüchtigt und im Februar 2008 gefrackt.
  • Der gesamte Bohrplatz macht einen aufgeräumten, sauberen Eindruck.
  • Das Oberflächenwasser wird derzeit aufgefangen, abtransportiert und nach Angaben des Betreibers in ca. 20 km Entfernung verpresst. In Zukunft soll es (laufender Erlaubnisantrag) durch 2 an der Ost- und West-Seite des Bohrplatzes zu errichtende Rigolen nach Prüfung der Salinität versickern. Auffällig ist, dass das in dem Brunnenkeller der Bohrung Z23 aufgefangene Regen-/Oberflächenwasser schillert. Die Versickerung des Oberflächenwassers in unmittelbarer Nähe der zwei Trinkwasserbrunnen B3 und B4 der Wasserwerke Vechta ist bedenklich.
  • Die Bohrung Goldenstedt Z23 ist mehrstufig abgeteuft, die Ringräume sind oberhalb der Zementierungen mit Wasser und Glykol gefüllt und mit Messeinrichtungen versehen, um mögliche Leckagen in den Zementierungen durch Druckabfall im Ringraum erfassen zu können. 
  • Das „Süssgas“ wird in druckfesten Metallrohrleitungen zu den doppelwandigen Reinigungs- und Trocknungsreaktoren geleitet. Dort wird durch Erwärmen und Kühlen sowie mit Ethylenglykol-Gegenstrom-Trocknung und Quecksilberadsorption gearbeitet.
  • Der Schlauch zum Lagerstättenwassertank ist doppelwandig und bei Abriss durch Ventil und Alarmeinrichtung gesichert. 
  • Das gewonnene Lagerwasser sowie die aus dem wassergesättigten Gas extrahierten Lösungen werden in dichten Tanks gesammelt und von Spezialtransportern zur Verpressung in den Untergrund gebracht. Die finale Gasableitung soll gesichert neu verlegt werden.
  • Der Bohrplatz ist komplett automatisiert. Im Störungsfall, Druckabfall im Ringraum der Bohrungen, Schlauchabriss, etc., erfolgt Meldung an Zentrale und binnen 15 Minuten sollten Mitarbeiter von ExxonMobil vor Ort sein.

Ergebnisse des Austauschs

Im Anschluss an die Bohrplatzbesichtigung wurde der Gedankenaustausch im Wasserwerk fortgesetzt. Im Zuge des gegenseitigen Austauschs zwischen den Wasserversorgern und dem Expertenkreis wurden folgende Punkte festgehalten:

  • Falls oberirdische Freisetzungen wassergefährdender Stoffe erfolgen, ist es wichtig, eine ausreichende Reaktionszeit zu haben im Hinblick auf den Fließweg des Grundwassers zur Brunnenfassung. 
  • Ebenfalls wichtig sind Monitoring-Systeme, um Schadstoffblasen zu detektieren. Diese müssen sowohl von oben kommende, aus dem Bohrloch kommende als auch von unten aufsteigende Schadstoffe frühzeitig erkennen.
  • Für von unten kommende Schadstoffrisiken ist ggf. eine andere Logik bei der Ausweisung von Wasserschutzgebieten sinnvoll – diese sind bislang auf von oben eindringende Schadstoffe ausgelegt.
  • Die Wasserwerke haben im Zuge der Vorbereitung auf mögliche terroristische Anschläge Notfallplanungen erarbeitet. Diese stellen sie dem Expertenkreis zur Verfügung.
  • Die Flächenkonkurrenz in Niedersachsen ist so dramatisch, dass ein Ausweichen auf andere Trinkwassergewinnungsgebiete – etwa aufgrund eingetretener Kontamination – nicht realistisch ist. 
  • Der Expertenkreis sollte in seiner Arbeit auch die Haftungsfreistellung für die Wasserversorgung bearbeiten.
  • Die vom OOWV erarbeitete computergestützte Darstellung der Grundwasserstockwerke und –fließprozesse wird dem Expertenkreis zur Verfügung gestellt – ggf. kann man diese in die Abschätzungen des Expertenkreises einfließen lassen.