Dr. Gernot Kalkoffen, Vorsitzender des Vorstandes der ExxonMobil Central Europe Holding
- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Damen und Herren,
als wir vor gut einem Jahr hier zusammengekommen sind, haben wir alle Neuland betreten. Und seien Sie versichert: Gerade ExxonMobil war zunächst unsicher, ob diese für uns neue Form des Dialogs und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung tatsächlich würde funktionieren können. Da wir aber als Unternehmen davon überzeugt sind, dass wir immer weiter lernen und dazu neue Wege gehen müssen, haben wir uns dafür entschieden, nicht nur das Budget für dieses Angebot zur Verfügung zu stellen, sondern uns auch dem Votum der Experten zu unterwerfen.
Bevor ich auf die Empfehlungen des Neutralen Expertenkreises eingehe, lassen Sie mich dem Arbeitskreis der gesellschaftlichen Akteure danken. Die herausragende Arbeit, die in den vergangenen Monaten geleistet worden ist, wäre ohne Ihr Engagement, Ihre kritischen Hinweise und ohne Ihren Mut, sich auf ein Angebot wie dieses einzulassen, nicht möglich gewesen.
Vielen Dank auch an das Team um Herrn Prof. Dr. Borchardt. Sie haben in wenigen Monaten eine großartige wissenschaftliche Leistung erbracht. Sie sind das Risiko eingegangen, zu einem öffentlich umstrittenen und damit auch mit Emotionen verbundenen Thema wissenschaftlich Position zu beziehen – auch auf die Gefahr hin, dass man Sie der aus kritischer Sicht "falschen", nämlich der Seite des Unternehmens ExxonMobil zuordnet. All das wäre nicht möglich gewesen ohne die professionelle Begleitung von Ihnen, Frau Hammerbacher und Ihnen, Herr Dr. Ewen. Mein gesamtes Team zollt Ihnen dafür nicht nur Dank, sondern – wenn ich das so sagen darf – ein gehöriges Maß an Bewunderung.
Meine Damen und Herren, vor einem Jahr habe ich Ihnen zugesagt, dass wir uns an das Votum des Neutralen Expertenkreises halten werden – und das haben wir nun davon: Wir haben einige Kröten zu schlucken und – einige nicht ganz einfache – Hausaufgaben zu machen – und das werden wir tun.
Das Team um Prof. Borchardt sieht keine grundsätzlichen Umwelt- und Risikoaspekte, die gegen die Exploration und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten sprechen. Dies gilt ausdrücklich auch für das Hydraulic Fracturing Verfahren und selbst unter Annahme, dass der Trinkwasserschutz Vorrang vor der Energiegewinnung hat.
Das ist ein erfreuliches Signal, nicht nur für unser Unternehmen, sondern auch für den Industriestandort Deutschland und die Versorgungssicherheit in unserem Land. Denn Deutschland braucht Erdgas.
Aber: Wir müssen das verantwortlich tun.
Der Neutrale Expertenkreis definiert Ausschlussgebiete für Fracking in unkonventionellen Lagerstätten zum Beispiel bei menschlich erheblich beeinflusster Hydrogeologie (z. B. Kohlebergbau) und bei besonders kritischen tektonischen Spannungen im Untergrund.
Das ist nachvollziehbar und wird von ExxonMobil eingehalten werden, soll heißen: Dort werden wir keine Frac-Maßnahme durchführen.
Der Expertenkreis gibt uns auf, unsere Anstrengungen zur Optimierung der Frac-Flüssigkeiten fortzusetzen und dabei neben den human- auch ökotoxikologische Gesichtspunkte stärker zu berücksichtigen. Erleichtert sind wir aber auch, denn: Der Expertenkreis sieht bei den zurzeit noch eingesetzten Flüssigkeiten zwar Risiken – aber diese doch als handhabbar an.
Ein im Laufe dieses Dialogprozesses zunehmend in den Blickpunkt gelangtes Thema ist die Frage, was mit dem Flow Back geschieht. Dabei werden wir den Fokus mehr auf Wiedereinsatz und Behandlung des Flow Backs richten müssen, ein Aspekt, den wir in der Vergangenheit zwar im Auge hatten, der bei der relativ geringen Anzahl der Bohrungen aber nicht die Relevanz hatte. Da kommt eine Menge Arbeit auf uns zu.
Ausdrücklich begrüßen möchte ich insbesondere die Empfehlung zur Durchführung von Demonstrationsvorhaben, bei denen besonders strenge Maßgaben, z. B. Abstandsregelungen, gelten. Ich halte das für wichtig und für richtig. Im Bereich der konventionellen Förderung hat sich die Produktion über die Jahre entwickelt. Für eine mögliche Produktion von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten müssen vorausschauender und überregionaler denken. Das gilt sowohl für raumplanerische Fragen, wie auch für Sicherheits- konzepte, das Monitoring etc. Großtechnische Vorhaben bedürfen insbesondere aber auch einer intensiven kommunikativen Einbindung der betroffenen Gruppen. Hierbei können Erfahrungen gesammelt und anschließend gemeinsam bewertet werden, welche Vorsichts- maßnahmen sich besonders bewähren, welche vielleicht wieder gelockert werden können, aber genauso, welche noch ausgeweitet werden sollten.
Der Expertenkreis gibt auch Empfehlungen für die Anpassung des geltenden Rechtsrahmens. Auch wenn wir als Unternehmen hier nicht Adressat sind, möchte ich dazu einige Worte verlieren: Die Empfehlung einer behördlichen standortbezogenen Risikoanalyse im Einzelfall unterstützen wir. Er deckt sich mit der Position, die im Rahmen des bdew im vergangenen November gemeinsam mit der Wasserwirtschaft entwickelt worden ist. Energiegewinnung darf nicht auf Kosten des Trinkwasserschutzes gehen. Daher ist beispielsweise auch das Einvernehmen mit der Wasserbehörde im Zulassungsverfahren aus unserer Sicht ein logischer Schritt.
Wir werden uns in den kommenden Wochen die Einzelgutachten im Detail ansehen. Die Analyse der Experten konzentriert sich auf die Erkundung und Erschließung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten im südlichen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, wo wir in Deutschland noch wenig Erfahrung haben. Soweit Aussagen des Expertenkreises uns aber auch Hinweise geben für den Bereich, in dem wir seit vielen Jahrzehnten in über 70 Gemeinden Erdgas produzieren, werden wir die erforderlichen Lehren daraus ziehen.
Im Laufe des Herbstes werden wir allen Interessierten die bis dahin erfolgten Veränderungen vorstellen und bis dahin den Weg der Transparenz und des Dialogs weiter intensiv fortführen.
Ihnen allen nochmals meinen herzlichen Dank!
Osnabrück, den 25. April 2012