Navigation überspringen

Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Infobrief 10 vom 02. April 2012

Abschlusskonferenz des InfoDialog Fracking am 25. April 2012 in Osnabrück

Am Mittwoch 25. April 2012 bietet die ganztägige Abschlusskonferenz des InfoDialogs allen Interessierten die Gelegen- heit, die Arbeitsergebnisse des vergangenen Jahres im Zusammenhang zu diskutieren. Der Neutrale Expertenkreis stellt mit der Risikostudie Fracking an diesem Tag seine wesentlichen Arbeitsergebnisse vor und präsentiert seine Empfehlungen zum Umgang mit der Fracking-Technologie im Bereich der unkonventionellen Erdgasvorkommen.

Der wissenschaftliche Leiter des Neutralen Expertenkreises

Prof. Dr. Dietrich Borchardt, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, stellt die Risikostudie Fracking und die Empfehlungen vor.

ExxonMobil gibt in der Konferenz eine Rückmeldung zu den Aussagen des Expertenkreises und erläutert die nächsten Arbeitsschritte des Unternehmens.

Der Vorstandsvorsitzende der ExxonMobil Central Europe Holding GmbH,
Dr. Gernot Kalkoffen, antwortet auf die Empfehlungen der Experten.

Die gesellschaftlichen Akteure diskutieren die Ergebnisse des Prozesses. Vertreter der Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, der Bundespolitik und aus Verbänden sind eingeladen, eine erste Wertung
der Ergebnisse zu geben.

Der Politikwissenschaftler und Demokratieforscher Prof. Dr. Thomas Saretzki, Leuphana Universität Lüneburg, nimmt eine Einordnung des InfoDialog Fracking vor und diskutiert die Rolle, die öffentliche Dialogprozesse in der gesellschaftlichen und politischen Meinungsbildung spielen können.

Die Konferenz ist öffentlich. Interessierte und Medienvertreter können sich 
bis Freitag 20. April 2012 anmelden: [email protected].

Mit der Abschlusskonferenz findet die Arbeit des InfoDialog Fracking ein gutes Jahr nach der Auftaktveranstaltung am 7. April 2011 einen Schlusspunkt. In diesem Zeitraum hat der InfoDialog die wissenschaftliche Prüfung der Umwelt- und Sicherheitsthemen durch den Expertenkreis intensiv begleitet – in einer Fachkonferenz und sechs Arbeitstreffen der gesellschaftlichen Akteure aus über 50 gesellschaftlichen Gruppen, in neun Fachgesprächen des Neutralen Expertenkreises und in der wissenschaftlichen Statuskonferenz Anfang März 2012 (siehe unten).

Wissenschaftliche Statuskonferenz am 6. und 7. März 2012 in Berlin

Rund 170 Fachleute aus Wissenschaft, Behörden, Gutachterfirmen und weiteren Bereichen haben sich am 6. und 7. März intensiv mit dem methodischen Vorgehen und den Ergebnissen des Neutralen Expertenkreises befaßt.

Die wissenschaftliche Statuskonferenz hatte der Neutrale Expertenkreis angeboten, um noch vor der Veröffentlichung der Risikostudie Fracking und der Empfehlungen die Einschätzung einer breiten Fachöffentlichkeit zu seiner Arbeit
zu berücksichtigen. Dieses Vorgehen stellt einen wichtigen Schritt für die Umsetzung des Peer Review Prinzips dar, mit dem der Expertenkreis seine Arbeit konsequent für die wissenschaftliche Kritik zur Verfügung stellt.

Ort der Konferenz war die Kulturbrauerei in Berlin – das Plenum tagte im ehemaligen Kesselhaus.

Prof. Dr. Dietrich Borchardt faßte in seiner einleitenden Präsentation zur Zielsetzung, Aufbau und Methodik noch einmal die Leitfragen der Risikostudie Fracking zusammen:

  • Erscheinen die Risiken beherrschbar? Welche Vorkehrungen müssen getroffen werden? 
  • Gibt es Situationen, in denen vollständig auf Fracking verzichtet werden sollte?
  • Wie sehen die Umweltauswirkungen von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten im Vergleich mit Erdgas aus anderen Quellen in der Gesamtbetrachtung aus?
  • Wie würde die Förderung von Erdgas in den betreffenden Regionen konkret aussehen?
  • Welche Wissenslücken sind noch zu schließen? 

Der erste Konferenztag diente zunächst der Vorstellung des Arbeitsstandes des Neutralen Expertenkreises

Hydrogeologische Settings und Stofftransporte

  • Modellierung untertägiger Transportprozesse
  • Störfall-Szenarien, Risikomanagement und Stand der Technik
  • Stand der Technik und fortschrittliche Ansätze in der Entsorgung des Flowback
  • Flächen und Landschaftsbedarf
  • Energie- und Klimabilanz
  • Bewertungsansätze toxikologische Bewertungen und Risiken für das Grundwasser, 
Trinkwasser und aquatische Ökosysteme
  • Beurteilung der Toxizität der Additive im Hinblick auf Grundwasser und Trinkwasser
  • Bewertung der Ökotoxizität von Inhaltsstoffen der Frac-Flüssigkeiten
  • Umweltrechtliche Einordnung und Bewertung 

Darauf aufbauend gaben international renommierte Peer Reviewer eine erste Stellungnahme ab 

  • Alan J. Krupnick, Ph.D., Resources for the Future, Center for Energy Economics and Policy, Washington D.C.
  • Michael A. Celia, Ph.D., Professor of Environmental Studies, Princeton University
  • Avner Vengosh, Ph.D., Professor of Geochemistry and Water Quality, Duke University (schriftlich)
  • David Yoxtheimer, P.G., Penn State Marcellus Center for Outreach and Research (schriftlich)
  • Dr. Michael Struckl, Referatsleiter für Industrieunfallangelegenheiten, Österreichisches Wirtschaftsministerium
  • Prof. Dr. Helmut Kroiss, Institut für Wassergüte und Abfallwirtschaft, Technische Universität Wien
  • Prof. Dr. Hermann H. Dieter, ehemaliger Leiter des Fachgebietes „Toxikologie des Trinkwasser“ im Umweltbundesamt
  • Prof. Dr. Beate Escher, National Research Centre for Environmental Toxicology (Entox), 
The University of Queensland (schriftlich)
  • Prof. Dr. Michael Reinhardt, Institut für Deutsches und Europäisches Wasserwirtschaftsrecht, Universität Trier 
Vertieft wurde die fachliche Diskussion am zweiten Tag in sieben Arbeitsgruppen. 

AG 2 Migration von Schadstoffen im Untergrund

AG 4 Abwasser- und Abfallentsorgung

AG 5 Sicherheit und Technik –Bohrplatz, Bohrloch, Pipelines

Das Programm und alle Präsentationen der Konferenz siehe Statuskonferenz. Die Protokolle der Arbeitsgruppen werden in Kürze ebenfalls unter diesem Link eingestellt.

Hinweise aus dem Peer Review

Die Peer Reviewer gaben bereits im Rahmen der Statuskonferenz wertvolle Hinweise, die teilweise noch für die Risikostudie bis Ende April eingearbeitet werden können, teilweise in die Empfehlungen im Hinblick auf weiteren Untersuchungsbedarf einfließen. Als wichtig bewertete der Expertenkreis unter anderem den Vorschlag, über
die Einzelfallbetrachtung hinaus auch die Auswirkungen einer Anwendung des Frackings in unkonventionellen Lagerstätten über größere Flächen zu beleuchten, beispielsweise im Rahmen einer regionalen Stoffflussbilanz. Die Peer Reviewer betonten außerdem, dass nicht nur Worst-Case-, sondern auch realitätsnahe Abschätzungen vorgelegt werden sollten.

Der Reviewer Prof. Dr. Hermann H. Dieter (rechts), ehemaliger Leiter des Fachgebietes Toxikologie des Trinkwasser im Umweltbundesamt im Gespräch mit
Prof. Dr. Fritz Frimmel, Karlsruher Institut für Technologie KIT.

Der Reviewer Alan J. Krupnickr (rechts), Center for Energy Economics and Policy, (Washington D.C.) im Gespräch mit Prof. Dr. Martin Sauter, Universität Göttingen.

Auch nach der Statuskonferenz wird das Peer Review fortgeführt. Die Peer Reviewer werden Ihre Stellungnahmen bis Ende April weiter ausarbeiten, die Stellungnahmen werden anschließend veröffentlicht.

Fachgespräch Monitoring am 20. März 2012 in Münster

Zur Vorbereitung auf seine Empfehlungen hat der Expertenkreis ein Fachgespräch mit Vertretern von Behörden, Kommunen, Wasserversorgern und des Landesverbands Bergbaubetroffener NRW durchgeführt. Auf der Basis von Vorträgen über das nordrhein-westfälische Monitoringkonzept für den Braunkohltagebau Garzweiler II, über die ländliche Grundwasserversorgung und Methanvorkommen im Münsterland, über das Grundwasserschutzkonzept des Wasserwerks Vechta sowie über die Erfahrung mit Boden- und Grundwassersanierungsfällen des Umweltamtes Hamburg diskutierten die ca. 30 Teilnehmenden Anforderungen an ein Monitoringsystem für gefrackte Erdgasvor- kommen. Einigkeit bestand, dass das Monitoringkonzept gleichzeitig langfristig und auf das schnelle Erkennen kurz- fristig auftretender Schadensfälle ausgelegt sein muss. Messstellen sollten dicht am Bohrplatz und in verschiedenen Tiefen angeordnet sein. Eine wesentliche Bedeutung kommt der Wahl von geeigneten Indikatoren und Messgrößen sowie dem Einbezug gesellschaftlicher Gruppen zu.

Das Protokoll des Fachgesprächs und alle Präsentationen steht zur Verfügung: Fachgespräch Monitoring in der Fracking-Technologie

Fachgespräch Regionalökonomische Effekte am 20. März 2012 in Hannover

Das Fachgespräch diente der Vorstellung der ersten Zwischenergebnisse der Recherchen zu den regionalökonomi- schen Auswirkungen der unkonventionellen Erdgasförderung unter Einsatz der Fracking-Technologie. Prof. Dr. Kilian Bizer, Universität Göttingen, beschrieb die Vorgehensweise. Erst werden direkte Geldströme (Steuern, Abgaben) betrachtet, dann folgt eine Betrachtung der Auswirkungen auf Bereiche wie Landwirtschaft und Tourismuswirtschaft. Zusammen mit einzelnen regionalen Akteuren aus den potentiell betroffenen Gebieten und Vertretern ExxonMobils wurden die bisherigen Zwischenergebnisse diskutiert, auf ihre Relevanz und Vollständigkeit hin überprüft und weitere wichtige Hinweise gewonnen. Die Ergebnisse des Gutachtens werden im Rahmen einer Postersession des Expertenkreises bei der Abschlusskonferenz am 25. April 2012 vorgestellt.

Benzol aus oberflächennahen Leitungen – Gutachten des Neutralen Expertenkreises

Prof. Ulrich Ewers, Hygiene-Institut des Ruhrgebiets, und Dr. Hermann Kruse, Universität Kiel, arbeiten derzeit an einer gemeinsamen toxikologischen Bewertung der jüngsten Benzol-Austritte.

Protokolle des fünften und des sechsten Treffens des AK Akteure

Die Protokolle beider Arbeitstreffen stehen nun zur Verfügung.

Fünftes Arbeitstreffen am 31. Januar 2012
Sechstes Arbeitstreffen am 24. Februar 2012

Dokumente/Dateien: