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Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Presseinformation 25.April 2012

Ausschluss des Frackings an bestimmten Standorten und Gebieten und Vorrang für Trinkwasser- und Gewässerschutz vor der Energiegewinnung.

Langsame Entwicklung in vorsichtigen Schritten – jedoch kein sachlicher Grund für ein grundsätzliches Verbot des Frackings.

Der Neutrale Expertenkreis im InfoDialog Fracking stellt im Rahmen der Abschlusskonferenz des InfoDialog Fracking am 25. April in Osnabrück seine „Risikostudie Fracking“ und seine Empfehlungen zur Fracking-Technologie im Bereich der unkonventionellen Erdgaslagerstätten vor.

Damit legt er das Ergebnis einer einjährigen wissenschaftlichen Überprüfung der Fracking-Technologie vor.
Ein Team von insgesamt 38 Wissenschaftlern hat sich in dieser Zeit umfassend mit denkbaren Gefahren des Frackens in den für Deutschland neuartigen unkonventionellen Schiefergas und Kohleflözgas-Lagerstätten befasst.

Die wissenschaftliche Leitung hatte Prof. Dr. Dietrich Borchardt, Leiter der Abteilung Aquatische Ökosystemanalyse am größten deutschen Umweltforschungsinstitut, dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ.

Die wesentlichen Aussagen des Expertenkreises in Kürze:

  • Fracken in unkonventionellen Lagerstätten ist mit einer neuen Dimension von Risiken verbunden: 
Wesentliche Gründe sind die gegenüber der konventionellen Erdgasförderung größere Zahl der Bohrungen und der damit verbundenen Vorgänge wie Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz und Transporte sowie die geringere Tiefe der Lagerstätten. 
  • Die Prüfung der Risiken hat gezeigt, dass eine langsame Entwicklung des Frackens in unkonventionellen Lagerstätten in vorsichtigen Schritten möglich sein sollte – es gibt keinen sachlichen Grund für ein grundsätzliches Verbot. 

Überblick über die Empfehlungen (Auszug):

  • Ausschlussgebiete. Für bestimmte Standorte und Gebiete ist Fracken auszuschließen. Hierzu zählen 
Trinkwasserschutzgebiete (Zonen I und II) und Heilquellenschutzgebiete sowie Gebiete mit Besonderheiten wie kritische tektonische Spannungen oder mit einer Kombination geologisch ungünstiger Bedingungen (Störungen und gespanntes Tiefenwasser).
  • Realistische Demonstrationsvorhaben. Demonstrationsvorhaben unter realistischen großtechnischen Bedingungen mit der am weitesten fortgeschrittenen Technik sollten durchgeführt werden können. Für diese gelten besonders hohe Sicherheitsanforderungen und Kontrollen und sie sind wissenschaftlich zu begleiten.
  • Gesellschaftlicher Dialog. Um örtliche Belastungen zu verringern, sollten Bürgerinnen und Bürger und die Kommunen beteiligt werden. Um die Erdgasförderung steuernd zu begleiten, werden regionale Foren vorgeschlagen. 
  • Schadensregulierung. Die Regulierung von Schäden für Betroffene sollte durch Schlichtungsstellen erleichtert werden.
  • Konsequente Anwendung des geltenden Rechts. Das Einvernehmen der Wasserbehörden ist sicherzustellen. Regionale Auswirkungen können auf der Grundlage einer strategischen Umweltprüfung in einem Fachplan geregelt werden.
  • Weiterentwicklung von rechtlichen Regelungen. Eine standortbezogene Risikoanalyse sowie ein vorläufiges positives Gesamturteil sollten zu Beginn von Zulassungsverfahren stehen.
  • Weiterentwicklung des Standes der Technik. Die Umweltverträglichkeit der Erdgasförderung sollte in Bezug
auf den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, den Schutz des Grundwassers, den Einsatz von Chemikalien, die Entsorgung und Behandlung von Abwasser, Anforderungen an Feldleitungen und an Bohrlochintegrität, Monitoring, Qualitätssicherung und Überwachung weiter entwickelt werden.
  • Forschung und Entwicklung. Parallel zu den Demonstrationsvorhaben sollten Forschungsvorhaben das Detailverständnis von Vorgängen beim Fracken vertiefen. Es wird eine regionale Stoffstrombilanz sowie eine Klimabilanz von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten benötigt.

Dr. Gernot Kalkoffen, Vorstandsvorsitzender der ExxonMobil Central Europe Holding GmbH nahm die Empfehlungen der Experten nachdenklich entgegen. "Wir haben einige Kröten zu schlucken und – einige nicht ganz einfache – Hausaufgaben zu machen." Er zeigte sich jedoch erleichtert, dass der Expertenkreis „keine grundsätzlichen Umwelt- und Risikoaspekte, die gegen die Exploration und Gewinnung von Erdgas aus unkon- ventionellen Lagerstätten sprechen“ festgestellt habe. ExxonMobil wolle sich wie vor einem Jahr öffentlich zugesagt an das Votum des neutralen Expertenkreises halten. Das Unternehmen wolle auch in Zukunft auf einen breiten Dialog mit der Gesellschaft setzen.

Die gut 300 Teilnehmer der Konferenz nutzten die Gelegenheit, die Wissenschaftler und die Vertreter von ExxonMobil intensiv zu befragen. Der Expertenkreis erhielt breite Anerkennung für seine umfassende Arbeit.

Weitere Informationen auf http://dialog-erdgasundfrac.de/ :

Ab Mitte Mai werden auf der Dialogplattform alle Einzelgutachten des Expertenkreises zur Verfügung gestellt.

Der InfoDialog Fracking – Informations- und Dialogprozess von ExxonMobil zur Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fracking-Technologie für die Erdgasgewinnung – hat im Zeitraum April 2011 bis April 2012 ein Forum für die neutrale wissenschaftliche Prüfung des Frackings in unkonventionellen Erdgasvorkommen und für die öffentliche Diskussion der Expertenergebnisse bereitgestellt. Die Arbeit der Experten wurde durch den Arbeitskreis der gesellschaftlichen Akteure begleitet, in dem 47 Organisationen mitgewirkt und Vertreter von Fachbehörden als Beobachter sowie Bürgerinitiativen und Interessierte teilgenommen haben.

Die Verantwortung für das Konzept und die Durchführung des Informations- und Dialogprozesses lag bei den selbständigen Prozessbegleitern Ruth Hammerbacher (Osnabrück) und Dr. Christoph Ewen (Darmstadt). Die von der Prozessbegleitung bereitgestellte Dialogplattform http://dialog-erdgasundfrac.de/ informiert umfassend über den Prozess und seine Ergebnisse.

Kontakt:

Ruth Hammerbacher
hammerbacher gmbh
beratung & projekte
Schnatgang 27
49080 Osnabrück
T +49 (0) 541 33 88 2-0
rh@hammerbacher.de

Dokumente/Dateien: