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Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Was waren Ihre Fragen und Beiträge?

Hier konnten Sie Fragen stellen und Beiträge verfassen, die Sie im Zusammenhang mit der von ExxonMobil geplanten Aufsuchung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten interessieren und für wichtig hielten.


Schreiben der Stadtverwaltung Stadt Borken an Hr. Prof. Dr. Dietrich Borchardt

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Kommentare: 2

InfoDialogFracking in Osnabrück 10.10.2011

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Borchardt, 

als Vertreter der Stadt Borken nahm ich am 10.10. 2011 an Ihrer Veranstaltung in Osnabrück teil. Vielen Dank für das freundliche persönliche Gespräch am Rande der Tagung. Berichtet wurde in Osnabrück von den von Ihnen hinzugezogenen Fachleuten zu den Themen:

  • Bohrtechnologie insbesondere Abdichtung der Bohrung
  • Toxikologie 
  • Störfallszenarien 
  • Rechtliche Situation

Leider muss ich Sie darauf hinweisen, dass Fragen, die ich bereits in der vergangenen Info-Dialog-Veranstaltung und am 10.10.2011 gestellt habe, bis heute nicht im Ansatz beantwortet wurden. Für Sie und die beteiligten Wissenschaftler gehe ich davon aus, dass dafür noch weitere Untersuchungen notwendig sind bzw. Informationen von Exxon angefordert werden müssen. Für zahlreiche Fragen vermute ich, dass sie auch in Zukunft nicht zufriedenstellend beantwortet werden können, weil die Risiken des Fracking-Verfahrens abschließend nicht untersucht werden können. 

Von mir bereits gestellte Fragen: 

Wie ist Dichtheit des Deckgebirges im Westmünsterland nachweisbar zu beurteilen? 

Zu welchen möglichen Reaktionen der Chemikalien kann es untereinander oder mit anderen Stoffen/Schadstoffen im Erdreich kommen?

Welche Schadstoffe kann Methangas oder Wasser in der Tiefe binden und ev. in Trink-wasserzonen oder an die Oberfläche bringen?

Weitere Fragen ergeben sich für mich nach der Veranstaltung am 10.10.: 

Sind die Nebenwirkungen der Schadstoffe aus der Frackflüssigkeit, die am 10.10. in Osna-brück angesprochen wurden, erschöpfend dargestellt, oder ist damit zu rechnen, dass es zu weiteren, bisher nicht bekannten oder dokumentierten Nebenwirkungen kommt? 

Wie wird unabhängig sichergestellt, dass Exxon, wenn schon mit Chemikalien gearbeitet werden muss, auch alle Stoffe transparent angibt? 

Welche Gesteinsinhomogenitäten gibt es in der Region des Westmünsterlandes? 

Welche Risiken ergeben sich daraus für die Fördertätigkeit? 

In welchem Kontakt stehen Trinkwasser und Grundwasser in unserer Region und welche Risiken ergeben sich daraus bei möglichen Bohrungen für unser Trinkwasser? 

Beim Fracking-Verfahren wird ein immens hoher Aufwand für die Dichtigkeit des Bohrloches getrieben. Gleichzeitig ist aber offensichtlich die Tatsache, dass die Dichtheit des an die Bohrung direkt anschließenden Deckgebirges nicht bekannt ist, von keinerlei Interesse? Wie passt die Sorgfalt auf der einen zur Gleichgültigkeit auf der anderen Seite? 

Sind die Risiken austretender Frack-Flüssigkeit an der Oberfläche für die Qualitäten des Trinkwassers hinnehmbar? 

Warum wird bei dem Genehmigungsverfahren keine UVP durchgeführt? Müsste Ihr Expertengremium nicht bereits jetzt schon eine UVP fordern?

Ich werde weiter auf die Beantwortung meiner Fragen drängen und bitte Sie, diesen Brief auf Ihrer Dialogplattform zu veröffentlichen. 

Mit freundlichem Gruß 

Stephan Pfeffer 
Architekt BDA, Dipl. Ing. (TU) 
Regierungsbaumeister 
Technischer Beigeordneter Stadt Borken

Das Schreiben als PDF Datei können Sie hier herunterladen.

Hier werden sukzessive die Antworten auf Herrn Pfeffers Fragen eingestellt.

Frage:
Warum wird bei dem Genehmigungsverfahren keine UVP durchgeführt? Müsste Ihr Expertengremium nicht bereits jetzt schon eine UVP fordern

Antwort:
Eine Umweltverträglichkeitsprüfung und damit auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung ist nach § 1 Nr. 2a der Verordnung über die Umweltverträglichkeitsprüfung bergbaulicher Vorhaben (UVP-V Bergbau) für die Gewinnung von Erdgas zu gewerblichen Zwecken nur vorgesehen, wenn täglich mehr als 500 000 Kubikmeter Erdgas gefördert werden sollen. Dies ist nur sehr selten der Fall. Dementsprechend findet eine Umweltverträglichkeitsprüfung in der Regel nicht statt. Wir halten dies nicht für sachgerecht und werden daher eine verbesserte Regelung zur Umweltverträglichkeitsprüfung fordern (Prof. A. Roßnagel)

Beantwortung der Fragen zur (Hydro-)Geologie durch den Neutralen Expertenkreis:
Die Gruppe der Sachverständigen ist derzeit dabei, eine umfassende Abschätzung des Risikos der Beeinträchtigung des Grundwassers durch Frack-Maßnahmen zu bearbeiten. In ca. 2 Monaten wird der Bericht der Gruppe vorliegen. Aus diesem Grund ist die Beantwortung der Fragen auf dem aktuellen Stand der Bearbeitung erfolgt und deshalb als vorläufig und unter Vorbehalt zu betrachten.

1.) Beim Fracking-Verfahren wird ein immens hoher Aufwand für die Dichtigkeit des Bohrloches getrieben. Gleichzeitig ist aber offensichtlich die Tatsache, dass die Dichtheit des an die Bohrung direkt anschließenden Deckgebirges nicht bekannt ist, von keinerlei Interesse? Wie passt die Sorgfalt auf der einen zur Gleichgültigkeit auf der anderen Seite?
Hr. Pfeffer angesprochenen Thema, d.h. der Abschätzung des Transports von Frack-Fluiden in der Umgebung fern des Bohrlochs. Dazu gehört die Abschätzung der hydraulischen Parameter Durchlässigkeit und effektive Porosität, sowie der Größe der Triebkraft für den Transport, d.h. den hydraulischen Potentialunterschied. Diese Charakterisierung und die Modellierung des Transports sind die wesentlichen Aufgaben der Gruppe.

2.) Wie ist die Dichtigkeit des Deckgebirges im Westmünsterland nachweisbar zu beurteilen?

Erfahrungen über die Dichtigkeit des Gesteinsmaterials, d.h. die Durchlässigkeit (hydraulische Leitfähigkeit, Permeabilität) mächtiger Ton- und Mergelsteinpakete existieren aus den Untersuchungen zur Erkundung potentieller Endlagerstandorte sowie Sonderabfalldeponien an unterschiedlichen Standorten weltweit. Es zeigt sich hier generell, dass im oberflächen¬nahen Bereich aufgrund der Gebirgsentspannung die Durchlässigkeiten höher sind, in größeren Tiefen jedoch aufgrund der hohen Gebirgsauflast sehr rapide abnehmen (häufig sogar um Faktor 1000). Diese Erkenntnisse sind auch auf die Verhältnisse im Münsterland übertragbar.
Für die Parametrisierung der hydrogeologischen Modellrechnungen wird auf vorhandene Daten aus Literatur, Kartenwerken, Projekten usw. zurückgegriffen.

3.) In welchem Kontakt stehen Trinkwasser und Grundwasser in unserer Region und welche Risiken ergeben sich daraus bei möglichen Bohrungen für unser Trinkwasser?

Die Frage wird hier so verstanden, dass mit Trinkwasser das Grundwasser des oberen Grundwasserstockwerks und mit Grundwasser das Wasser in dem tiefen Cenoman-Turon-Aquifer gemeint ist. Diese beiden Grundwasserstockwerke sind durch eine im Raum Borken rd. 200 m mächtige Schicht aus Tonmergelsteinen („Emscher Mergel“) getrennt, die in vertikaler Richtung einen Wasserhemmer bildet, d.h. praktisch wasserundurchlässig ist.
Bei Bohrungen, die diese Sperrschicht durchteufen, müssen Bohrung und Ringraum durch Stahlrohre und Zementationen gegen das umgebende Gebirge hydraulisch fest verschlos¬sen, d.h. abgedichtet werden. Dies gilt für alle Tiefbohrungen, unabhängig von ihrer Zielsetzung und ist gängige Praxis in der Bohrtechnik. Die Risiken möglicher Undichtigkeiten der Abdichtungen wird im Rahmen von Worst-Case-Szenarien untersucht.
Großräumig betrachtet ist noch nicht abschließend geklärt in welchem Kontakt das Grund¬was¬ser aus den oberflächennahen quartären Grundwasserleitern mit den im Münsterland vorhandenen tiefen Salzwasserhorizonten des Cenoman und Turon (mineralwasserführende Horizonte) und den Frackzielhorizonten im Oberkarbon steht. In den quartären Grundwas¬serl¬eitern wurden in der Vergangenheit lokal höhere Salzgehalte gemessen, deren Position mit dem Verlauf von Störungszonen korrelieren. Die erhöhten Salzgehalte können einerseits auf Fluide im Emscher Mergel (Barrieregestein) zurückzuführen sein oder andererseits dem tiefen Kreidekalk-Grundwasserleiter (Cenoman / Turon) entstammen. Bei unseren Untersuchungen wird geprüft (konservativer Ansatz), inwieweit unter Frack-Bedingungen und bei Anwesenheit von Störungszonen mit erhöhter Durchlässigkeit die Frack-Fluide in das quartäre Grundwasser gelangen könnten.

4.) Welche Gesteinsinhomogenitäten gibt es in der Region des Westmünsterlandes?

Die Schichtenabfolge im westlichen Münsterland ist als Grundlage für die hydrogeologischen Modellrechnungen ausgewertet und im Akteurskreis dargestellt worden.
Geologische Gesteinsmaterialien sind von Natur aus aufgrund der Variabilität der Ablagerungsbedingungen, Verfestigung durch Tiefenfluide in der geologischen Vergangenheit (Diagenese) und der späteren tektonischen Beanspruchung (Klüfte, Risse, Störungen) inhomogen (heterogen), d.h. die für den Transport relevanten Größen hydraulische Leitfähigkeit (Durchlässigkeit) und effektive Porosität variieren entsprechend. Generell kann gesagt werden, dass die hydraulische Leitfähigkeit parallel der Schichtung um mehrere Größenordnungen höher ist als senkrecht zur Schichtung. Diese Tatsache wirkt sich positiv in Richtung Grundwasserschutz aus, d.h. die Frackfluide breiten sich eher horizontal als vertikal aus.
Bezogen auf das Münsterland kann ausgesagt werden, dass die Barriere „Emscher Mergel“ im Münsterland relativ homogen ist, d.h. bezüglich seiner Eigenschaften gut zu beurteilen ist. Die Störungszonen, die präsent sind, sind jedoch bezüglich ihres Versatzes aufgrund der geringen Materialkontraste in den Mergeln jedoch schwer zu beurteilen.

5.) Welche Risiken ergeben sich daraus für die Fördertätigkeiten?

Ist bereits unter 4.) beantwortet.

6.) Welche Schadstoffe kann Methangas oder Wasser in der Tiefe binden und evtl. in Trinkwasserzonen oder an die Oberfläche bringen?

In Wassser können grundsätzlich alle wasserlöslichen Stoffe bis zur Sättigung gelöst werden. Im tieferen Untergrund kommen hierfür vor allem Salz und Gips sowie Metalle bzw. Metall-Ionen infrage, sofern diese im Untergrund vorhanden sind und der pH-Wert und das Redox-Potenzial eine Lösung erlauben.
Zu einem vertikalen Aufstieg eventueller gelöster Schadstoffe vgl. Ausführungen zu den Fragen 4 und 1.