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Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Was waren Ihre Fragen und Beiträge?

Hier konnten Sie Fragen stellen und Beiträge verfassen, die Sie im Zusammenhang mit der von ExxonMobil geplanten Aufsuchung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten interessieren und für wichtig hielten.


weitere Nachfrage zur Expertenbefragung am 10. 10. 2011 - Chemikalien

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Die Präsentationen von Dr. Birgit Gordalla, KIT, Karlsruhe,
Dr. Mechthild Schmitt-Jansen, UFZ Leipzig,
Prof. Dr. Ulrich Ewers, Hygiene-Institut des Ruhrgebiets, gehen u.a. ein auf Chemikalien, die bei einem Frack an der Bohrstelle Buchhorst T12 am 27.07.2011 eingesetzt wurden, bei dem anscheinend Mitglieder des Expertenkreises anwesend waren. Die Zusammensetzung des Fluids war hier aber völlig anders und toxikologisch unkritischer als beispw. in Damme oder auch bei anderen Fracks.
So wurde der Tonstabilisator TETRAMETHYLAMMONIUMCHLORID durch das unkritischere KALIUMCHLORID ersetzt. Oder: Statt einer Bakterizid-Konzentration wie in Damme von 0,04g/l wurden jetzt nur 0,005g/l eines anderen Bakterizids benötigt.
Außerdem wurden insgesamt „nur“ ca. 200 000 Liter verpresst, in Damme waren es 4 Mio. Liter pro Frack!
Das wurde allerdings von den Vortragenden überhaupt nicht erwähnt.
Mir selber fiel nur die geringe Gesamt-Menge auf. Nachgefragt, ob dies ein besonders kleiner Frack sei, wurde dies von einem EXXON-Mitarbeiter bestätigt.
Leider hatte ich die Chemikalienliste von Damme nicht zur Hand, sonst hätte ich auch dazu nachgefragt.
Seitens EXXON wurde zwar am Vormittag erklärt, dass man bestrebt sei, giftige Chemikalien durch weniger giftige zu ersetzen. Dann hätte EXXON sich aber auch dazu äußern können, ob Chemikalien wie in Damme weiterhin eingesetzt werden.

Nach den Aussagen der ExpertInnen von EXXON, Schlumberger und Halliburton wird die Zusammensetzung des Fluids jeweils den Gegebenheiten angepasst.

Dann sollte aber auch die gesamte Bandbreite der Chemikalien betrachtet werden, solange keine ausdrückliche Erklärung von EXXON vorliegt, dass bestimmte Chemikalien nie mehr eingesetzt werden.
Eine beispielhafte Präsentation von Chemikalien aus einer einzigen Frack-Veranstaltung (Beispiel: Kaliumchlorid) halte ich nicht für zielführend.

Mit freundlichen Grüßen
Ralph Griesinger
Bündnis 90/Die Grünen
Ortsverband Bissendorf

Sehr geehrter Herr Griesinger,

in der Tat gibt es sehr unterschiedliche Gemische. Was die Experten am 10.10. gezeigt haben, war eine Einschätzung desjenigen Frack-Vorgangs, dessen Daten zum damaligen Zeitpunkt am besten dokumentiert vorgelegen haben. Selbstverständlich betrachtet der Expertenkreis die gesamte Bandbreite der eingesetzten Fracs. Ihm ging es darum, anhand einer beispielhaften Frack-Flüssigkeit seine Vorgehensweise bei der Einschätzung der Gefährlichkeit vorzutragen und zur Diskussion zu stellen. Er wird die anderen Gemische genauso bewerten. Vor allem aber wird er kritisch bewerten, ob und wenn ja welche problemlatischen Stoffe möglicherweise ins Grundwasser gelangen und welche Konzentrationen im Grundwasser dabei auftreten können.

Für die Abschätzung und Bewertung von Unfall- oder Verfrachtungsszenarien werden Fracking-Flüssigkeiten in die Modellierung eingestellt werden, die in Bezug auf die dokumentierte Bandbreite die obere Grenze und nicht die untere Grenze an
problematischen Stoffen (Menge und Toxizität) darstellen.

Lassen Sich mich noch etwas nachtragen zur Frage der Bakterizid-Konzentration. Sie schreiben: "Statt einer Bakterizid-Konzentration wie in Damme von 0,04 g/l wurden jetzt nur 0,005 g/l eines anderen Bakterizids benötigt". Bei beiden Fracks wurde jedoch nach den dem Expertenkreis vorliegenden Aufstellungen der gleiche bakterizide Wirkstoff
eingesetzt: eine Mischung von 5-Chloro-2-Methyl-2H-Isothiazol-3-On und 2-Methyl-2H-Isothiazol-3-On im Verhältnis 3:1. Diese Mischung hat die CAS-Nr. 55965-84-9 und wird oft mit dem Handelsnamen "Kathon" bezeichnet.

Beim Frack Buchhorst t12 am 27.07.2011 wurde etwa 1 kg Kathon auf 212.000 kg Wasser eingesetzt. Das entspricht einer Konzentration von ungefähr 0,005 g/l. Von der Fracking-Flüssigkeit in Damme liegt dem Expertenkreis eine Gesamtrezeptur vor. Danach wurden insgesamt 1.209.5000 kg Wasser verpresst (Summe von 3 Behandlungen) und dabei insgesamt 46 kg Kathon eingesetzt. Daraus resultiert eine Konzentration von etwa 0,004 g/l.

In der Aufstellung, die dem Expertenkreis vorliegt, ist der bakterizide Wirkstoff Kathon Bestandteil einer Formulierung, d.h., er wird in einer Mischung mit nicht bakteriziden Komponenten, z. B. Magnesiumsalzen und einem nicht kennzeichnungspflichtigen Füllstoff,
vom Hersteller bezogen und eingesetzt. Diese Gesamt-Formulierung wird in der Rezeptur salopp als "Biozid" bezeichnet, ihre Masse beträgt 460 kg, also das Zehnfache der Masse des bakteriziden Wirkstoffs Kathon. Möglicherweise wurden bei Ihrer Berechnung nicht bakterizide Wirkstoffe bei der Berechnung der Bakterizid-Konzentration mit einbezogen.

Was den Ersatz von TETRAMETHYLAMMONIUMCHLORID durch das unkritischere KALIUMCHLORID angeht - ExxonMobil ist dabei kritischere durch unkritischere Chemikalien zu ersetzen....

Beste Grüße

Christoph Ewen