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Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Presseinformation 31.Januar 2012

"Die Erfahrungen aus den USA sind so nicht übertragbar."

Fünftes Treffen der gesellschaftlichen Akteure am 31. Januar in Münster

Die Arbeitsergebnisse und Einschätzungen des Neutralen Expertenkreises stießen heute erneut auf großes Interesse. Vor ca. 110 Vertretern von Wasserversorgern, Gemeinden, Landwirtschaft, Kirchen, Verbänden und Bürgergruppen berichteten die Experten über Schlussfolgerungen aus einer USA-Reise im Januar 2012.

Weiterer Schwerpunkt der Diskussion war das Gutachten zum Flächenverbrauch und den Auswirkungen auf das Landschaftsbild im Falle einer Förderung unkonventioneller Gasvorkommen. Außerdem stellte die Expertengruppe 'Risiken im geologischen System' ihre detaillierte Betrachtung der Hydrogeologie der Halterner Sande sowie niedersächsischer Gebiete vor. Die Expertengruppe 'Toxikologie und Grundwasser' zeigte Ergebnisse der toxikologischen Bewertung der bisher verwendeten Frackingrezepturen.

In der Diskussion ging es konkret um die Übertragbarkeit der US-amerikanischen Erfahrungen auf Deutschland, gerade auch im Hinblick auf die Veränderung des Landschaftsbildes.

„Die Erfahrungen aus den USA sind so nicht übertragbar. Gesetze, Stand der Technik, Ausstattung von Behörden und Struktur der Industrie sind in Deutschland deutlich anders.“, so Prof. Dr. Alexander Roßnagel, der Umweltjurist im Neutralen Expertenkreis. Allerdings seien die in den USA eingetretenen Umweltschäden theoretisch auch hierzulande vorstellbar. Daher sei die umfassende risikoorientierte Vorgehensweise des Expertenkreises über Worst-Case-Szena- rien und Festlegung von technischen Standards auf dieser Grundlage richtig. "Auch die in den USA oft neben dem Fracking genannten Probleme wie undichte Bohrlöcher, unsachgemäße Entsorgung von Abwasser, undichte Leitungen sind in unseren Szenarien alle berücksichtigt." Weiterhin berichtete Prof. Roßnagel, dass der InfoDialog Fracking in den USA mit Interesse wahrgenommen werde, insbesondere von den großen Umweltverbänden.

Über die Schadensfälle in den USA – wie z. B. kontaminierte Hausbrunnen – gebe es einzelne Untersuchungen, so Prof. Roßnagel. Eine abgesicherte wissenschaftliche Studie über die mit dem Fracking verbundenen Gefahren für das Trinkwasser durch die Bundesumweltbehörde EPA beginne erst in 2012. Mit Blick auf eine Erklärung für die brennen- den Wasserhähne wie sie im Film Gasland gezeigt werden, hielt Prof. Michael Arthur, PennState University – Geologe und guter Kenner des Marcellus Shale, des größten Schiefergasvorkommens der USA – es gegenüber dem Exper- tenkreis für möglich, dass durch das Fracking zusätzlich Methan in Bewegung gebracht wurde. Aber es gebe auch Berichte von Anwohnern, dass bereits in den Zeiten vor dem Fracking das Wasser Methan enthielt und Wasserhähne entzündbar waren.

Dipl.-Ing. Helmut Schneble vom Ingenieurbüro UBS in Darmstadt bilanzierte in seinem Gutachten die möglichen Wirkungen, die auch in Umweltverträglichkeitsstudien untersucht werden, nämlich Flächeninanspruchnahme, Störungen des Landschaftsbildes, Lärm, Licht und Schadstoff-Freisetzungen. Sein Ergebnis: "Der einzelne Bohrplatz hätte nur begrenzte Auswirkungen. Eine flächendeckende Förderung von Schiefergas könnte jedoch zu einer industriellen Zersiedelung führen, wenn sie nicht genau geplant und koordiniert wird.

"Die Arbeitsgruppe 'Risiken im geologischen System' präsentierte die einem früheren Treffen der gesellschaftlichen Akteure nachgefragten detaillierten Betrachtungen der Halterner Sande und zeigte auf, in welcher Form die nieder- sächsischen Fördergebiete in der Risikostudie betrachtet werden.

Die Arbeitsgruppe 'Toxikologie und Grundwasser' zeigte Ergebnisse der toxikologischen Bewertung der bisher verwendeten Frackingrezepturen. Prof. Ulrich Ewers, Hygiene-Institut des Ruhrgebiets, wies darauf hin, dass ihm mittlerweile insbesondere für die problematischeren Inhaltsstoffe Ersatzstoffe vorliegen, die ExxonMobil nach eigener Aussage in Zukunft einsetzen wolle. Deren Bewertung werde die Arbeitsgruppe in den nächsten Wochen ebenfalls vornehmen.

Zum Abschluss zeigte der Expertenkreis auf, in welcher Form er die vielen im Raum stehenden Fragenlisten zum Fracking beantworten wird. Neben der Risikostudie wird es eine explizite Antwort zu jeder einzelnen Frage geben. Fragen, die nur von ExxonMobil beantwortet werden könnten, wurden dem Unternehmen zur Beantwortung übergeben.


Der InfoDialog Fracking – Informations- und Dialogprozess von ExxonMobil zur Sicherheit und Umweltverträglich- keit der Fracking-Technologie für die Erdgasgewinnung – bietet ein Forum für die neutrale wissenschaftliche Prüfung und die öffentliche Diskussion der Expertenergebnisse. Der Neutrale Expertenkreis im InfoDialog Fracking will bis April 2012 in seiner „Risikostudie Fracking“ Grundlagen für eine standortübergreifende (generische) Umweltverträg- lichkeitseinschätzung erarbeiten. Die Arbeit der Experten wird durch den Arbeitskreis der gesellschaftlichen Akteure begleitet, in dem 47 Organisationen mitwirken und Vertreter von Fachbehörden als Beobachter teilnehmen.

Die Verantwortung für das Konzept und die Durchführung des Informations- und Dialogprozesses liegt bei den selbständigen Prozessbegleitern Ruth Hammerbacher (Osnabrück) und Dr. Christoph Ewen (Darmstadt). Die von der Prozessbegleitung bereitgestellte Dialogplattform http://dialog-erdgasundfrac.de/ informiert umfassend über den Prozess.

Kontakt:
Ruth Hammerbacher 
hammerbacher gmbh beratung & projekte 
Schnatgang 27

49080 Osnabrück

T +49 (0) 541 33 88 2-0 
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