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Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Presseinformation: Worst Case Szenarien bei der Förderung unkonventioneller Erdgasvorkommen

Viertes Treffen der gesellschaftlichen Akteure im InfoDialog Fracking am 9. Dezember 2011 in Osnabrück

Am heutigen Freitag stellte der Neutrale Expertenkreis im InfoDialog Fracking weitere Zwischenergebnisse seiner Risikostudie Fracking vor. Über Worst-Case-Szenarien wurde das Ausmaß denkbarer Umweltauswirkungen bei Unfällen und Betriebsstörungen errechnet. Damit hat der Expertenkreis die Grundlagen gelegt, um im nächsten Arbeitsschritt zu prüfen ob und welche Vorsorgemaßnahmen möglich sind, mit denen kritische Situationen und Schäden vermieden beziehungsweise auf ein Minimum beschränkt werden können.

Außerdem gab der Seismologe Prof. Dr. Manfred Joswig, Universität Stuttgart, einen Überblick über den wissenschaftlichen Stand zum Thema Fracking und seismische Ereignisse / Erdbeben.

An dem vierten Arbeitstreffen des Arbeitskreis der gesellschaftlichen Akteure in Osnabrück nahmen gut 60 Vertreter aus Kommunen, Wasserversorgern, Landwirtschaft, Kirchen, Verbänden und Bürgergruppen teil. Schwerpunkte der Diskussion waren die Wahrscheinlichkeit von Störfällen und die rechtliche Bewertung der Frack-Problematik. Außerdem gab es eine intensive Diskussion zu seismischen Ereignissen, nachdem Prof. Joswig deutlich gemacht hatte, dass Fracking alleine keine Erdbeben auslöst.

„Der Expertenkreis schätzt mit dieser Untersuchung der denkbaren ungünstigsten Fälle insbesondere die mit Fracking verbundenen Risiken für das Grund- und Trinkwasser ab. Wichtige Themen sind dabei Ereignisse (Unfälle, Leckagen) beim Transport, auf dem Bohrplatz und im Bohrloch sowie der langfristige Stofftransport im Untergrund“ so der Leiter des Neutralen Expertenkreises, Prof. Dr. Dietrich Borchardt.

Dr. Hans-Joachim Uth, Sachverständiger für Anlagensicherheit und langjähriger Störfallexperte im Umweltbundes-amt, stellte die von ihm berechneten „Worst-Case-Szenarien“ vor. „Wir haben die Vorgehensweisen bei sensiblen Chemieanlagen auf das Fracking übertragen und mögliche Auswirkungen von 9 Szenarien erarbeitet.“ 

 Das gefährlichste theoretisch denkbare Ereignis wäre danach ein unkontrollierter Blow Out von sogenanntem Sauergas (Erdgas mit einem Anteil von 25 % giftigem Schwefelwasserstoff). Dieses Szenario ist denkbar, wenn eine entsprechende „Blase“ angebohrt wird und gleichzeitig die Sicherheitstechnik (Blow Out Preventer) versagt. Die Folge könnte eine kilometerweite Vergiftung der Bevölkerung mit Schwefelwasserstoff sein. Allerdings ist dieses Ereignis bei der Förderung unkonventioneller Erdgaslagerstätten differenziert zu betrachten. Die Gase im Schiefergas-, im Kohleflöz- und im Sandsteinhorizont zeigen in der Regel keine Anteile von Schwefelwasserstoff, auch fließen sie nicht von selbst, sondern müssen aus dem Bohrloch hervorgepumpt werden – hier wäre ein derartiger Fall äußerst unwahrscheinlich.

Die Handhabung beachtlicher Mengen wassergefährdender Frackfluide an der Oberfläche birgt Risiken für Grund- und Trinkwasser z. B. durch den Transport auf der Straße, technisches Versagen oder Leckagen in Pipelines. Diese Risiken sind in ähnlicher Weise aus der Industrie und auch im Zusammenhang mit dem Transport und der Verteilung von Benzin (Tankstellen) bekannt. Leckagen aus Pipelines mit Lagerstättenwasser kommen bei der Förderung von Erdgas aus konventionellen Lagerstätten vor. Die Mengen an rückgeförderten Flüssigkeiten im Bereich der unkonventionellen Förderung sind jedoch geringer.

Typisch für den Frackingprozess und mit negativen Erfahrungen aus den USA belegt sind Szenarien, die Leckagen des Bohrlochs unter Tage beschreiben. Die dann untertägig freigesetzten Mengen an Fracking-Fluid und Methan wären nicht rückholbar, und unter Umständen auch nicht klar zu beobachten.

Die Worst Case Analysen sind eine wichtige Grundlage für die rechtliche Einordnung der Fracking-Technologie, so Prof. Dr. Alexander Roßnagel. Im Rahmen einer Sicherheitsphilosophie müsse nachgewiesen werden, dass solche Extremfälle beherrscht werden können.

Um das zu prüfen, so Prof. Borchardt, werden in den nächsten Wochen im Expertenkreis Untersuchungen zu folgenden Fragen stattfinden:

  • Können die Worst Case Fälle und damit verbundenen Schäden vermieden oder ausreichend minimiert werden, so dass Sicherheit gewährleistet ist? 
  • Welche Vorsorgemaßnahmen wie z. B. Sicherheitstechnik und ein Sicherheitsmanagement sind möglich und was können sie leisten?

Ein weiteres Thema der Veranstaltung war „Fracking und seismische Ereignisse / Erdbeben“. Hierzu berichtete Prof. Dr. Manfred Joswig, Leiter des Instituts für Geophysik der Universität Stuttgart, über das Fachgespräch des Expertenkreises vom 22. November 2011 zum Thema. Denkbare Auswirkungen des Frackings im Bereich der unkonventionellen Erdgaslagerstätten seien kleinskalig auf Bereiche von 3 bis 100 m beschränkt und vergleichbar mit möglichen Auswirkungen des Tunnelbaus. Prof. Joswig schlägt ein seismisches Messnetz als Beweissicherungssystem für den Fall von Gebäudeschäden vor. In dem seltenen Falle der tektonischen Vorbelastung einer Lagerstätte solle auf ihre Ausbeutung verzichtet werden.


Der InfoDialog Fracking – Informations- und Dialogprozess von ExxonMobil zur Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fracking-Technologie für die Erdgasgewinnung – bietet ein Forum für die neutrale wissenschaftliche Prüfung und die öffentliche Diskussion von deren Ergebnissen. Der Neutrale Expertenkreis im InfoDialog Fracking will bis März 2012 in seiner „Risikostudie Fracking“ Grundlagen für eine standortübergreifende (generische) Umweltverträglichkeitseinschätzung erarbeiten. Die Arbeit der Experten wird durch den Arbeitskreis der gesellschaftlichen Akteure begleitet, in dem 47 Organisationen mitwirken.Die Verantwortung für das Konzept und die Durchführung des Informations- und Dialogprozesses liegt bei den selbständigen Prozessbegleitern Ruth Hammerbacher (Osnabrück) und Dr. Christoph Ewen (Darmstadt). Die von der Prozessbegleitung bereitgestellte Dialogplattform http://dialog-erdgasundfrac.de/ informiert umfassend über den Prozess.

Kontakt:

Ruth Hammerbacher
hammerbacher gmbh
beratung & projekte

Schnatgang 27
49080 Osnabrück
T +49 (0) 541 33 88 2-0

[email protected]