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Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Was waren Ihre Fragen und Beiträge?

Hier konnten Sie Fragen stellen und Beiträge verfassen, die Sie im Zusammenhang mit der von ExxonMobil geplanten Aufsuchung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten interessieren und für wichtig hielten.


Hazard Indizes und Gefahr der Frac-Flüssigkeit für Menschen

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Kommentare: 1

Sehr geehrte Frau Schmitt-Jansen,

ich habe da noch einige Verständnisfragen bzgl. des ausführlichen Gutachtens zur Ökotoxikologie:

1) Bei den drei Beispielen ist im ersten Beispiel Buchhorst T12 ist HI(Tox) < HI(Total). Bei den Beispielen Cappeln Z3a und Damme 3 sind sie jedoch identisch. Können Sie vielleicht nochmal den Unterschied zwischen diesen beiden Indizes herausstellen? So wie ich das verstanden habe, sind mit HI(Tox) alle nach CAS ermittelbaren toxischen Stoffe außer den Chloriden erfasst und mit HI(Total) alle Stoffe der Frac-Flüssigkeit inklusive der Chloride. Liegt es also an dem Salz, dass HI(Total) in Buchhorst höher als HI(Tox) ist? Und noch zum Verständnis: Durch die Indizes erfasst sind die Konzentrationen der Stoffe wie sie in der Frac-Flüssigkeit also mit Wasser verdünnt vorkamen? Falls diese Stoffe irgendwie ins Grundwasser gelangen würden Sie also nochmal stark verdünnt werden und der HQ für die Stoffe würde Fallen?

2) Ich weiß, dass diese Frage ähnlich schon gestellt wurde aber wie beurteilen Sie die Gefahr durch mögliche Reaktionen mit im Untergrund bzw. im Lagerstättenwasser vorhandenen Stoffen mit der Frac-Flüssigkeit. Ist es nicht möglich vor dem Fracking-Vorgang Proben von Lagerstättenwasser zu untersuchen um mögliche gefährliche Reaktionen auszuschließen oder denken Sie, dass das nicht notwendig bzw. übertrieben ist oder ist es gar unmöglich?

3) Die dritte Frage gehört wahrscheinlich eher zu Herr Ewers Bereich, aber kann man aus diesen standartisierten Tests auch Rückschlüsse auf die Gefährlichkeit der Stoffe (in Reinform oder entsprechend in der verdünnten Form wie bei der Frac-Flüssigkeit) für den Menschen schließen? Teilweise war es schwer das Gefahrenpotential dieser Stoffe zu ermitteln. Ich habe beispielsweise versucht über das genannte Alkylalkoholethoxylat über die CAS und über den Namen Infos über die Gesundheitsschädlichkeit für den Menschen zu erfahren habe aber nichts gefunden.

Ich weiß es sind eine Menge Fragen aber ich hoffe Sie können mir weiterhelfen!

Mit freundlichen Grüßen,

Nils Temmen

Hier die Antworten von Frau Dr. Schmitt-Jansen und (zu Frage 3) von Prof. Dr. Ewers
Christoph Ewen

Sehr geehrter Herr Temmen,
zu ihren Verständnis-Fragen:
1.) den Zusammenhang haben Sie treffend dargestellt: Der HI (Total) umfasst Gefährdungen durch Schadstoffe sowie durch Chlorid-Salze. Wir haben in der Bewertung die Toxizität von Stoffen von den "Salzeffekten" getrennt, da es sich um einen anderen Mechanismus handelt (toxischer Stress versus Salzstress). Außerdem können im tiefen Grundwasser natürlicher weise hohe Salzgehalte vorliegen. Der Einsatz von Salz in den Frac-Flüssigkeiten ist unterschiedlich, daher kommt es in manchen Fracs zu Unterschieden zwischen HI(total) und HI(tox), in anderen nicht.
Wir sind in unseren Betrachtungen von einem "worst-case" Szenario ausgegangen. Daher basieren die Berechnungen auf den mit Wasser-verdünnten Frac-Flüssigkeiten, wie sie direkt von den Firmen eingesetzt werden. Eine weitere Verdünnung mit dem Grundwasser senkt die Werte entsprechend.

2.) die Toxizität des Lagerstättenwassers ist noch völlig unbearbeitet und sollte untersucht werden, da Lagerstättenwasser Kohlenwasserstoff-haltige Verbindungen beinhalten kann. Diese könnte nach dem Probebohrungsvorgang untersucht werden. Dann könnte man auch den Zusatz und eine evtl. Veränderung der Frac-Flüssigkeiten im Lagerstättenwasser untersuchen. Das ist technisch möglich und sinnvoll, wurde aber noch nicht durchgeführt.

3.) Die Ergebnisse der nach standardisierten Testverfahren durchgeführten ökotoxikologischen Untersuchungen können weder qualitativ noch quantitativ auf Säugetieren und auf den Menschen übertragen werden. Bei den in der Ökotoxikologie häufig untersuchten Organismen handelt es sich vorzugsweise um Wasserorganismen wie Algen, Wasserflöhe (Daphnien) und Fische, die über mehrere Tage definierten Stoffkonzentrationen in wässrigen Lösungen ausgesetzt werden.Diese Organismen unterscheiden sich anatomisch, physiologisch und biochemisch grundlegend von Säugetieren und vom Menschen. Eine Vergleichbarkeit der Toxizität von Stoffen in Bezug auf solch unterschiedliche Organismen ist entsprechend auch nicht zu erwarten, auch wenn zahlreiche Stoffe mit hoher Toxizität gegenüber Wasserorganismen auch eine hohe Toxizität gegenüber Säugetieren und Menschen aufweisen wie z,.B. Schwermetalle,

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Antworten weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Mechthild Schmitt-Jansen (und für Frage 3 Ullrich Ewers)