Bericht über die Reise des Neutralen Expertenkreises in die USA vom 9.-13. Januar 2012 Washington D.C., Williamsport (PA), Ossining (NY)
Inhalt
- Einleitung
- Politische Debatte
- Wirtschaftliche Bedeutung
- Regulierung und Genehmigungspraxis
- Risiken durch die Bohrung / Bohrplatz
- Fracking-Chemikalien
- Abwasser / Flowback
- Wasserverbrauch / Auswirkungen auf Grundwasser und Oberflächengewässer
- Methanemissionen / Footprint von Erdgas
- Erdbeben
- Auswirkungen auf Natur und Landschaft
- Schlussfolgerungen
Eine Energiepolitik wie in Deutschland existiert in den USA nicht. Auf der Bundesebene gibt es kein umfassendes Energiekonzept. Ein Klima- und Energiegesetz ist kürzlich gescheitert. In den USA ist die Lobby für die fossile Energie – sei es Kohle oder Gas – sehr stark. Zurzeit entwickelt sich die Energiepolitik zum Wahlkampfthema. Dabei liegt der Fokus jedoch nicht bei der eigentlichen Energiefrage, sondern vielmehr stehen die Arbeitsplätze im Bereich fos- siler Energien im Mittelpunkt.
Erdgas hat derzeit einen Anteil am Energiemix (bezogen auf die Stromerzeugung) der USA von 24%. Bis zum Jahr 2035 soll dieser auf 60% steigen. Kohle trage zu 45% an der Energieer- zeugung bei, Kernenergie zu 20% und Erneuerbare Energien decken ca. 10% ab. Von den heimischen Erdgasvorkommen entfallen ca. 30% auf Shale-Gas. Eine 2011 erstellte Prognose geht von 23,4 Billionen m3 Schiefergas-Vorkommen insgesamt für die USA aus. Vor allem der Import des Gases kann dadurch drastisch reduziert werden. 87% des eingesetzten Schiefer- gases in den USA stammen aus heimischen Quellen. Man geht davon aus, dass die Nachfrage an Erdgas in den nächsten zwei Jahrzehnten deutlich steigen wird.
Die Vereinigten Staaten sehen kein Problem in der Nutzung dieser Ressourcen: Es herrsche derzeit kein Mangel an fossilen Energien, sie seien billig und insofern werden sie auch ge- nutzt. Und Erdgas wird in den USA als eine saubere Energieform angesehen. Ein Vorteil der Nutzung der einheimischen fossilen Energien liegt neben der Kostengünstigkeit darin, dass die USA nur zu einem geringen Teil vom Import von Energieträgern abhängig sind. Gerade dies wird als ein entscheidender Punkt auch im Hinblick auf die nationale Sicherheit gesehen.
Umweltaktivisten lehnen das Fracking auch deshalb ab, da aufgrund des sinkenden Erdgas- preises die Entwicklung erneuerbarer Energien vernachlässigt werde. Die derzeit sehr niedri- gen Erdgaspreise haben ihren Grund vor allem auch in der Förderung von Shale-Gas. Nur durch den Einstieg in die Shale-Gas-Förderung konnte ein Preis von zwei bis drei Dollar pro Kilokubikfeet (kcf) Gas gehalten werden.
Wesentliche unkonventionelle Vorkommen von Erdgas befinden sich in Mittelamerika. De- ren Abbau wird aber auch immer preisintensiver, so dass der Abbau unkonventionellen Erd- gases deutlich attraktiver wird. Derzeit werden erhebliche Investitionen in diesem Bereich getätigt, vor allem große Konzerne investieren Milliardenbeträge. Hierbei wird eine langfris- tige Entwicklung angestrebt, die auch ökonomische, soziale und regulatorische Aspekte be- inhaltet. Dass die Technologie risikobehaftet sei, könne man nicht abstreiten. Insofern soll auch einen Fokus auf das Risikomanagement gelegt werden, welches sich an den verschie- denen Programmen und Regulatorien orientiere.
Präsident Obama habe für das Jahr 2035 für den Energiemix eine Zielvorgabe verkündet: Hiernach sollen 80 Prozent der Energienachfragen aus Atomstrom, Kohle mit Carbon Captu- re and Storage-Technologien (CCS), Gas und Erneuerbare Energien gedeckt werden. Insofern setzt man auch hier auf Erdgas. Deshalb hat der Film „Gasland“ und vor allem seine Nomi- nierung für den Oscar in Washington für große Aufregung gesorgt. Vor allem wird hier das Problem der Wasserverschmutzung und des Methanaustritts diskutiert, der Wasserver- brauch an sich bei der Förderung von Erdgas wird hingegen nicht thematisiert.
Fracking gibt es in den USA bereits seit den 1970er Jahren. Hierfür werden jährlich große Summen zur Verfügung gestellt. Derzeit wird vor allem die Information über die Technologie und die eingesetzten Frac-Fluide als wichtig angesehen. Die Daten werden veröffentlicht, um das Vertrauen der Öffentlichkeit nicht zu verlieren bzw. dieses zu schaffen. Die Öffentlichkeit will aufgeklärt werden und fordert diese Informationen. Gleichzeitig können die Unterneh- men zeigen, was sie tun, um Risiken zu minimieren oder zu vermeiden. Allerdings führen die Informationen in der Öffentlichkeit noch nicht zu einem verstärkten Problembewusstsein. Allenfalls Umweltverbände sind an diesen veröffentlichten Informationen interessiert, die breite Öffentlichkeit zeigt sich eher desinteressiert.