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Fracking, Erdgassuche in Deutschland

Wasserverbrauch / Auswirkungen auf Grundwasser und Oberflächengewässer

Bericht über die Reise des Neutralen Expertenkreises in die USA vom 9.-13. Januar 2012 Washington D.C., Williamsport (PA), Ossining (NY)

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Politische Debatte
  3. Wirtschaftliche Bedeutung
  4. Regulierung und Genehmigungspraxis
  5. Risiken durch die Bohrung / Bohrplatz
  6. Fracking-Chemikalien
  7. Abwasser / Flowback
  8. Wasserverbrauch / Auswirkungen auf Grundwasser und Oberflächengewässer
  9. Methanemissionen / Footprint von Erdgas
  10. Erdbeben
  11. Auswirkungen auf Natur und Landschaft
  12. Schlussfolgerungen

Das Management der Wasserressourcen habe sich in den USA als eine kritische Herausforderung für die wirtschaftliche Entwicklung der Schiefergasvorkommen erwiesen. Wasser ist für den gesamten Fracking-Prozess notwendig. Die verwendete Wassermenge sei je nach Bohrung unterschiedlich, wobei die jeweilige Permeabilität des Gesteins als entscheidend angesehen wird. Außerdem spiele die Tiefe des Fracks eine Rolle: je tiefer der Frack, desto größer der Wasserverbrauch. Insgesamt liege die verwendete Wassermenge bei 3-5 Millionen Gallonen für eine Bohrung (entspricht knapp 12 bis 20 TSD Kubikmeter).

In der Regel wird Frischwasser (Süßwasser) für Bohrungen und Fracking verwendet, dem dann die entsprechenden Chemikalien zugesetzt werden. 80% des Wassers für die Shale-Gas-Industrie im Gebiet der Susquehanna-Flussgebietskommission SRBC (etwa 70% des Susquehanna-Flussgebietes liegen im Marcellus-Shale) entstammen der Entnahme aus Oberflächengewässern, ca. 20% aus öffentlichen Wassersystemen. Bisher werde erst zu einem geringen Anteil recyceltes Wasser verwendet. Um den Wasserverbrauch zu reduzieren, würden jedoch Bemühungen dahingehend unternommen, zukünftig mehr aufbereitetes Wasser zu verwenden. Die Susquehanna River Basin Commission geht von zukünftig etwa 60.000 Brunnen im Susquehanna-Gebiet aus, so dass insgesamt mit einer Wasserentnahme von etwa 203.520 Mgal (ca. 820 Mio m³) gerechnet wird.

In Pennsylvania gebe es bei rund drei Millionen Einwohnern über eine Million Wasserbrunnen. Viele der Häuser seien nicht an das öffentliche Wassernetz angeschlossen, die Bewohner betreiben eigene Brunnen. Pennsylvania sei einer der zwei Staaten in den USA, in denen die Trinkwasserversorgung nicht gesetzlich geregelt werde. Rund 45% der Brunnen seien vor Beginn der Erdgasförderung im Marcellus-Shale nicht hinsichtlich der Wasserqualitäten untersucht worden, solche Tests seien auch nicht notwendig und vorgeschrieben gewesen.

Für eine Studie an der Penn State Universität (Marcellus Education Team) wurden an etwa 230 Brunnen Wasserproben innerhalb von maximal einer Meile Entfernung von Förderbrunnen genommen (vor und nach Beginn der Bohrungen). Die Proben wurden auf bis zu 18 unterschiedliche Parameter hin untersucht (pH-Wert, TDS, Barium, Bromide, Methan, Strontium, gelöste organische Kohlenwasserstoffe u.a.). Begrenzt ist die Studie hinsichtlich ihrer Aussagefähigkeit auf Grund der relativ geringen Anzahl an Messungen. Zudem wurden im Wesentlichen Untersuchungen durchgeführt, um Auswirkungen der Durchführung eines Fracks innerhalb weniger Monate feststellen zu können. Um auch Langzeit-Auswirkungen zu beurteilen, sind somit weitere Untersuchungen nötig. Die ermittelten Werte wurden den Vorgaben des Pennsylvania Department of Environmental Protection für Trinkwasserqualitäten gegenübergestellt und außerdem mit durchschnittlichen Grundwasserqualitäten in Pennsylvania und Abwasserqualitäten im Marcellus-Shale verglichen. Zusammenfassend wurden die Ergebnisse der Studie letztlich dahingehend interpretiert, dass keine statistisch signifikanten Veränderungen als Auswirkungen des Frackings bezogen auf die betrachteten Wasserbrunnen, Parameter und den Untersuchungszeitraum festgestellt werden konnten. Dabei wurde allerdings auf die beschränkte Datenverfügbarkeit hingewiesen und die Notwendigkeit weiterer Forschungsarbeiten, besonders in Bezug auf ein Langzeitmonitoring und Forschungen zu Methan und Bromiden.

Von der Susquehanna Flussgebietskommission wurde ein „Echtzeit-Monitoring“ implementiert, um die Qualität der wertvollen und empfindlichen Ökosysteme zu schützen. Es gibt dort 50 Stationen, an denen die Wasserqualität auf Parameter wie pH-Wert, Temperatur usw. sowie Veränderungen in diesen überprüft wird. Die Daten sollen zukünftig auf der Homepage der SRBC veröffentlicht werden, da die Öffentlichkeit ein Interesse an allen Fragen um das Thema Fracking habe (www.srbc.net/programs/remotenetwork.htm). Das Netz werde von der SRBC betrieben, jedoch durch die Unternehmen finanziert. Festgestellte Änderungen der Wasserqualität wären jedoch schwierig den Unternehmen anzulasten, dafür würde eine bessere Datenbasis benötigt. Die meisten Unternehmen würden zudem vorsorglich ein Baseline-Monitoring der Wasserqualität durchführen („Selbstschutz“).