Bericht über die Reise des Neutralen Expertenkreises in die USA vom 9.-13. Januar 2012 Washington D.C., Williamsport (PA), Ossining (NY)
Inhalt
- Einleitung
- Politische Debatte
- Wirtschaftliche Bedeutung
- Regulierung und Genehmigungspraxis
- Risiken durch die Bohrung / Bohrplatz
- Fracking-Chemikalien
- Abwasser / Flowback
- Wasserverbrauch / Auswirkungen auf Grundwasser und Oberflächengewässer
- Methanemissionen / Footprint von Erdgas
- Erdbeben
- Auswirkungen auf Natur und Landschaft
- Schlussfolgerungen
Die Trinkwasserverunreinigung ist in den USA inzwischen als mögliches Problem durch die Förderung von unkonventionellem Erdgas erkannt worden. Hinzu kommen mögliche Lecks in Abwasserbehältern sowie der erhöhte Ausbaubedarf der Infrastruktur. Es wurde jedoch auch darauf hingewiesen, dass Umweltprobleme nicht alleine im Fracking begründet seien, sondern in Zusammenhang mit der Erdgasförderung generell gesehen werden müssten.
Im Hinblick auf die Treibhausgasbilanz der Shale-Gas-Förderung im Vergleich zur Kohle gibt es unterschiedliche Angaben, die Datenbasis reicht für belastbare Aussagen nicht aus.
Gefrackt wird in den USA in vertikalen und horizontalen Bohrungen. Die größte Gefahr für die Migration von Fluiden in die Aquifere wird in mangelhafter Brunnenintegrität gesehen. Fälle, in denen das zur Kontamination von Trinkwasser geführt habe, lägen häufig schon lange zurück (ca. 15 Jahre) und seien in der Regel in der schlechten Ausführung der Bohrungen begründet. Es gibt jedoch auch aktuellere Berichte über Schäden: durch einen Blow-out während des Frackings kam es in Pennsylvania zur Freisetzung von Fluiden, und in Dimock (Pennsylvania) kam es zu einer Verunreinigung von Grundwasser. Auch in Pavilion (Wyoming) sind Schäden dokumentiert, die in Zusammenhang mit Fracking gebracht werden. Eine Studie über die Schäden in Dimock und Pavillion, die breite Akzeptanz findet, gibt es nach Aussage der EPA jedoch noch nicht.
Auch Methanaustritte werden überwiegend auf eine mangelnde Bohrlochintegrität zurückgeführt. Außerdem wird eine Gefahr in der Handhabung der Fluide an der Oberfläche gesehen. Im Vergleich dazu wird die Migration von Schadstoffen durch das Deckgebirge für unwahrscheinlich erachtet. Zum Teil werden Simulationen zur Frack-Ausbreitung durchgeführt sowie Temperatur-Logs und mikoseismische Messungen eingesetzt, um Fracks zu lokalisieren. Die Ausbreitung eines Fracks in einen Grundwasserleiter wird als unwahrscheinlich eingeschätzt, da hunderte Meter Deckgebirge zwischen der gasführenden Schicht und dem Deckgebirge liegen.
Überwiegend wird die Gefahr, die vom Fracken ausgeht, bei Einhaltung bestimmter Standards als beherrschbar eingeschätzt. Standards bzw. Technisches Regelwerk fehlen jedoch zum Teil noch, sind nicht rechtlich verbindlich oder werden nicht angewandt. Als wichtig angesehen werden daher eine verbesserte Ausbildung des Personals, eine Kontrolle der Arbeiten vor Ort und eine behördliche Überwachung auf dem Bohrplatz. Dabei müsse der gesamte Prozess der Erdgaserschließung und -förderung berücksichtigt werden, nur das Fracking und unkonventionelle Lagerstätten zu betrachten, reiche nicht aus. Probleme z.B. mit undichtem Zement sind auch in konventionellen Bohrungen bekannt.
Förderbohrungen können durch entsprechende Tests auf ihre Integrität hin untersucht werden und bei einer Detektion eines Lecks gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, dieses abzudichten. Auch für die Zementwahl gebe es Standards. Während der Bohrung werde die Zementierung ständig durch ein Monitoring kontrolliert. Beim Einbringen des Zements könne Gas bereits in diesen migrieren. Dadurch werde dann die Standfestigkeit des Zements herabgesetzt. Durch Drucktests könne die Standfestigkeit kontrolliert werden. Sei der Druck anders als erwartet, müsse man untersuchen, ob es ein Leck gebe oder Gas im Zement gebunden sei.
Ältere Förderbohrungen hingegen wiesen häufiger ungeeignete Zementierungen auf, aus denen ein Risiko erwachsen könne. In der öffentlichen Diskussion werde oft angeführt, dass die Unternehmen billigen Zement einsetzen, um Kosten zu sparen, jedoch stellten die Zementkosten auch für hochwertigen Zement einen eher geringen Kostenfaktor dar. Eine Schätzung geht dahin, dass in Pennsylvania bei ein bis zwei Prozent der Förderbohrungen eine Reparatur der Zementierung während ihrer Lebensdauer nötig sei. Bei guter Wartung könnte eine Förderbohrung eine Lebensdauer von 30-50 Jahren erreichen. In Texas gebe es Bohrungen, die bereits 80 bis 90 Jahre existierten.
Im Hinblick auf die Ausgestaltung des Bohrplatzes gebe es keine allgemein gültige Vorgehensweise. Hier hätten die unterschiedlichen Staaten auch differenzierte Vorschriften. Häufig werde eine Kunststoffbahn eingesetzt, um das Bohrgebiet abzusichern. Eine allgemeine Standardprozedur zur Isolation der Bohrplätze gibt es nicht. Vielmehr handele man auf Grund der jeweiligen Situation am Bohrplatz und der jeweils geltenden lokalen Bestimmungen, dies mache gerade unterschiedliche Herangehensweisen notwendig. Die Ausgestaltung und vor allem Befestigung eines Bohrplatzes hänge auch von den lokalen geologischen Formationen ab. So existiere in Texas in einigen Gebieten abdichtendes Gestein, welches nur eine leichte Isolation des Bohrplatzes zum Schutz des Grundwassers notwendig mache. Um den Bohrplatz gebe es ein Auffangbecken. Wenn es zu einem Austritt von Flüssigkeit und Frack-Fluid aus dem Bohrplatzbereich komme, sollen diese in dem abgeschlossenen Bereich aufgefangen werden.
Die Bohrplätze, die während der Reise besichtigt wurden, lagen mit rund 2-5 km Abstand relativ nah beieinander in Waldgebieten. Es wurden Bohrplätze in verschiedenen Stadien gesehen, im Aufbau / mit Bohrturm, nach Fertigstellung der Bohrung. Ein Frack fand zu dem Zeitpunkt der Besichtigung nicht statt. Die Plätze waren nicht eingezäunt, es standen lediglich Hinweisschilder am Rand, dass der Platz nicht betreten werden sollte. Die Plätze waren eingeebnet und aufgeschottert. Flüssigkeitsdichte Oberflächen waren auch um z.B. einen Behälter zur Diesellagerung nur unzureichend in Form von ausgelegten Folien vorgesehen. Neben dem ersten Bohrplatz befand sich ein noch nicht im Betrieb befindliches offenes Becken zur Speicherung von Flüssigkeiten. Das Becken war sichtbar mit Folie ausgelegt. In der Nähe der Bohrplätze befanden sich jeweils vereinzelt Häuser /Höfe.

offenes Abwasserbecken
Bohrplatz in der Entstehung

Bohrturm / Bohrplatz

Bohrplatz nach Beendigung der Bohrtätigkeit

Bohrplatz nach Beendigung der Bohrtätigkeit