Bericht über die Reise des Neutralen Expertenkreises in die USA vom 9.-13. Januar 2012 Washington D.C., Williamsport (PA), Ossining (NY)
Inhalt
- Einleitung
- Politische Debatte
- Wirtschaftliche Bedeutung
- Regulierung und Genehmigungspraxis
- Risiken durch die Bohrung / Bohrplatz
- Fracking-Chemikalien
- Abwasser / Flowback
- Wasserverbrauch / Auswirkungen auf Grundwasser und Oberflächengewässer
- Methanemissionen / Footprint von Erdgas
- Erdbeben
- Auswirkungen auf Natur und Landschaft
- Schlussfolgerungen
Das zurzeit am stärksten wahrgenommene Argument für Fracking ist die Arbeitsplatzschaffung der Branche. Die Unternehmen geben an, ca. 200.000 Arbeitsplätze im Bereich der Shale-Gas-Förderung geschaffen zu haben. Im aktuellen Präsidenten-Wahlkampf wirbt die Erdöl- und Erdgas-Industrie (API) mit 1 Mio. neuer Jobs, die geschaffen werden sollen. Wie belast- bar diese Zahlen allerdings sind, ist unsicher. Ein Schwerpunkt der Förderung liegt derzeit in Pennsylvania. Pennsylvania kann auf eine lange Tradition beim Abbau natürlicher Ressourcen und Vorkommen (u.a. Kohle) zurückblicken. Hier befindet sich auch das derzeit größte Vorkommen an Shale-Gas. Auf 14,6 Billionen m3 wird das Marcellus-Shale-Vorkommen ins- gesamt geschätzt, davon liegen 2/3 in Pennsylvania. Die Gasgewinnung im Marcellus Shale wird breit diskutiert. Man habe angekündigt, in Pennsylvania 56.000 Jobs bis zum Jahr 2015 zu schaffen. Die Wirtschaft treibt die Prozesse voran, der Arbeitsmarkt wächst, Wasser- und Umweltfragen werden nachgeordnet. Etwa 25% der Landfläche Pennsylvanias sind derzeit für Bohrungen vorgesehen. Vor allem mit der Infrastruktur (Straßen, Pipelines) wird man dann neue Lösungen suchen müssen. Etwa 10% der neuen Arbeitsplätze in Pennsylvania gehen auf die Shale-Gas-Förderung zurück. Die ökonomischen Auswirkungen der Erdgasförderung sind also groß.
Der „Hype“ um die unkonventionelle Erdgasförderung in Pennsylvania sei auf lokaler Ebene in einigen Teilen des Bundesstaates sehr stark und führe dort zu viel Aktivität. Daten zeigten, dass es mehr Einstellungen gebe, eine geringere Arbeitslosigkeit und höhere Durchschnitts- löhne. Auswirkungen gebe es in allen Sektoren. Es gebe höhere Steuereinnahmen (Mehr- wertsteuer und Einkommenssteuer), aber auch höhere Staatskosten. Weitere Auswirkungen in Pennsylvania seien die niedrigen Gaspreise für die Verbraucher und weitere Zuwanderung anderer Industrie. Das schnelle Wachstum habe jedoch nicht nur positive Seiten. So stiegen auch die Lebenshaltungskosten und die Mieten bzw. die Wohnungsnachfrage.
Die Entwicklung ist stark ressourcenbasiert: wenn das Gas nicht mehr gefördert werden kann, wird auch die wirtschaftliche Entwicklung zurückgehen. Die drei Phasen der unkonven- tionellen Erdgasförderung bei den ökonomischen Entwicklungen seien zu berücksichtigen: Vor allem in der Errichtungsphase wird der Arbeitsaufwand als sehr intensiv eingestuft und es werden viele Jobs geschaffen bzw. Arbeiter benötigt. Ein Jahr nach Produktionsaufnahme sinke der Personalbedarf jedoch deutlich. Das Bohren eines Brunnens erfordere im Marcel- lus Shale ca. 420 Personen. Sind die Bohrungen abgeschlossen und produzieren, dann ent- stehen je nach Bohrung etwa 20 bis 40 längerfristige Jobs. Dort, wo es Arbeit gibt, gibt es mehr Arbeiterwohnungen, spezialisierte Herstellerfirmen und Hauptsitze verschiedener beteiligter Firmen.
Zu untersuchen gelte es weiterhin, wer neben den Unternehmen von dem Boom profitiert. Wo werden neue Jobs geschaffen? Wo entstehen Kosten? Dabei müssen alle Kosten berück- sichtigt werden, die die unkonventionelle Erdgasförderung direkt und indirekt verursacht, also auch Umweltkosten, soziale Kosten, Opportunitätskosten, Eigentumswerte. Hierzu gebe es jedoch noch keine belastbaren Daten, so die Gesprächspartner.